Politikberaterin Mathiopoulos verliert Doktorgrad

Rechtsanwalt Fachanwalt Hochschulrecht Köln

Das OVG Münster hat am 10.12.2015 entschieden, dass die Uni Bonn der als Politikberaterin bekannt gewordenen Prof. Dr. Margarita Mathiopoulos den Doktorgrad entziehen durfte.

Die Philosophische Fakultät der Universität promovierte die Deutsch-Griechin Mathiopoulos 1986 mit ihrer Dissertation zum Thema “Amerika: Das Experiment des Fortschritts: Ein Vergleich des politischen Denkens in den USA und Europa” zur “Dr. phil.”. Schon im September 1989 machten Fachwissenschaftler und überregionale Presseorgane der Klägerin öffentlich den Vorwurf, aus den Arbeiten anderer Historiker “beinahe wörtlich” abgeschrieben zu haben. Die Fakultät setzte eine Kommission ein, die 1991 zahlreiche Textübernahmen feststellte, aber einen Täuschungsverdacht „glaubte verneinen zu müssen“. Nach erneuter Überprüfung durch die Internetplattform VroniPlag setzte die Fakultät im Juli 2011 erneut eine Kommission ein, die 327 übernommene Textstellen feststellte. Nur 44 davon seien bereits Gegenstand der Überprüfung von 1991 gewesen. Die Fakultät entzog daraufhin den Doktorgrad.
Ihre dagegen erhobene Klage blieb beim VG Köln erfolglos.

Das OVG Münster hat die Entscheidung der Fakultät nun ebenfalls bestätigt.

Nach Auffassung des Oberverwaltungsgerichts steht eine Bindungswirkung aus der Überprüfung von 1991 der Entziehung nicht entgegen. Damals habe die Fakultät das Verfahren schlicht eingestellt, der Klägerin aber nicht verbindlich zugesichert, von einer Entziehung auch in Zukunft abzusehen. Die Klägerin habe bei ihrer Dissertation eine Täuschung begangen. Es sei auch verfassungsgemäß, dass das Hochschulrecht in NRW die Voraussetzungen für die Entziehung eines Doktorgrades nicht selbst regele, sondern der akademischen Selbstverwaltung der Hochschulen überantworte. Eine zwingend zu beachtende Entziehungsfrist gebe es danach nicht. Die Fakultät habe dem öffentlichen Interesse an einer wirksamen Selbstkorrektur wissenschaftlichen Fehlverhaltens ermessensfehlerfrei den Vorrang vor dem privaten Interesse der Klägerin gegeben, 25 Jahre nach ihrer Promotion von einer Entziehung verschont zu bleiben.

Das Oberverwaltungsgericht hat die Revision zum BVerwG zugelassen.

OVG Münster, Urt. v. 10.12.2015 –  19 A 254/13

Pressemitteilung des OVG Münster v. 10.12.2015